Das Burnout Syndrom
- eine falsch verstandene Stresserkrankung
Burnout Syndrom eines Geschäftsmannes

Das Burnout Syndrom

eine falsch verstandene Stresserkrankung

Das Burnout-Syndrom, eine komplexe mit schwerer mentaler und körperlicher Erschöpfung einhergehende Erkrankung, teilweise sogar verhöhnt oder verleugnet, hat im Bereich der Wirtschaft in den Jahren 2004-2010 um den Faktor 10 zugenommen. Aber auch andere Berufsgruppen wie Selbstständige, Pfleger/innen, Lehrer/innen und Ärzte/innen, berichten über eine drastische Zunahme dieser bisher viel zu wenig verstandenen Erkrankung.
Auch in der Gruppe von beruflich tätigen Frauen mit Familie ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Diese Zahlen sind allerdings insofern unzureichend, als das Burnout-Syndrom keineswegs die einzige, Besorgnis erregende Stresserkrankung ist.

Würde man berücksichtigen, dass nach einer Studie der Stanford Universität Kalifornien ca. 90-95% aller chronischen Zivilisationserkrankungen stressbedingter Natur sind, würde man die individuelle und gesellschaftliche Dimension dieser Erkrankungen viel besser einstufen und werten können. Denn auch der Herzinfarkt, die Koronare Herzerkrankung, der Schlaganfall, der Diabetes mellitus, Bluthochdruck, die zunehmende Zahl von Depressionen,
die man eigentlich als Stress-Depression bezeichneten müsste, und viele andere Erkrankungen werden durch chronischen Stress verursacht oder sind entscheidend mit ihm verknüpft.

Würde man also die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Stress -und Hirnforschung ernst nehmen, hätte dies weitreichende gesellschaftliche, wirtschaftliche und medizinische Konsequenzen, die bisher dadurch vermieden werden, dass man sich dem Thema Stress nicht in ernsthafter, vor allem aber nicht in präventiv wirksamer Form nähert.

Chronischer Stress beginnt in unserem Gehirn

Chronischer Stress beginnt in unserem Gehirn

Der durchschnittliche Allgemeinmediziner oder Internist kennt die eigentlichen Hintergründe für die Entwicklung von Burnout-Syndromen oder auch ihre Frühsymptome nicht und schickt die Betroffenen nach in der Regel unauffälliger Standarddiagnostik
(Labor, EKG, körperliche Untersuchung Ultraschallbefunde etc.) zum Psychiater, der ebenfalls weder in der Pathophysiologie noch der Diagnostik chronischer Stresserkrankungen bewandert ist.

Dieser diagnostiziert in aller Regel eine depressive Erkrankung und verschreibt den Betroffenen ein Antidepressivum. Eine Vielzahl von Ärzten ist sogar der Überzeugung, dass das Burnout-Syndrom die Folge einer Depression sei. Diese Fehleinschätzung beruht auf unzureichender Kenntnis der pathophysiologischen Abläufe bei chronischen Stresskonstellationen und verhindert bedauerlicherweise eine Therapie, die an den eigentlichen Ursachen dieser Erkrankung ansetzt. Denn eine medikamentös antidepressive Therapie aber ist rein symptomatischer Natur und kann die eigentliche Ursache dieser Erkrankung nicht beseitigen!

Dass die Depression nicht die Ursache des Burnout-Syndroms ist, zeigt der in der Regel phasenhafte Ablauf der Erkrankung, bei der es zu Leistungsminderungen und Erschöpfungszuständen kommen kann, obwohl depressive Phasen oder Zustände vollkommen fehlen! Die Depression kann höchstens die Folge einer chronischen Stresserkrankung sein  und tritt meist im Endstadium des Burnout Syndroms, und dies auch keineswegs in allen Fällen, auf. Die eigentliche Ursache der potenziellen Depression ist rein stressbedingter Natur.

Durch die chronische Überlastung des Zentralnervensystems kommt es zu gut untersuchten biochemischen Veränderungen im Hirnstoffwechsel, die zu einer drastischen Absenkung des Serotoninspiegels führen können. Diese Stoffwechselveränderungen sind seit längerem bekannt und begründen auch die Formulierung einer sogenannten Stress-Depression.

Es gibt eine Vielzahl von sogenannten Stressoren, Auslösern für die so genannte Stressreaktion des Zentralnervensystems, die eine hochgradige Hyperaktivität unseres Gehirns auslösen. Während dieses im Entspannungs- und Ruhezustand nur 20 % der zur Verfügung stehenden Energie benötigt, steigt der Energiebedarf des Gehirns unter Stressbedingungen auf ca. 90 % an.

Das Gehirn aktiviert umgehend das hormonelle und neuronale Stresssystem, die die Aufgabe haben, in Muskulatur und Leber jene Energiedepots an Glukose zu mobilisieren, die das Gehirn benötigt, um unter Stressbedingungen weiter funktionieren zu können.

Neuere Erkenntnisse aus der Hirnforschung haben gezeigt, dass unser Gehirn die Energieverteilung im Organismus steuert und dabei sogar fähig ist, dem Körper Energie zu entziehen und sich in „egoistischer Weise“ zunächst primär selbst zu versorgen.

Diese komplexen Anpassungsvorgänge an eine überhöhte Energieanforderung des Zentralnervensystems können der Boden für die Entwicklung chronischer Erkrankungen, zu denen auch das Burnout-Syndrom zählt, sein. Dies ist abhängig vom Ausmaß der individuellen Stressbelastung, von genetischen, epigenetischen und in der Regel sehr charakteristischen Persönlichkeitsfaktoren chronischer Stress führt nämlich im Laufe der Zeit zu strukturellen Veränderungen innerhalb unseres Gehirns, was zu strukturellen Schäden an unseren Nervenzellen führen kann. In Extremfällen kann es auch zum Untergang entscheidender Gruppen von Nervenzellen kommen, was zu Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und zur Unfähigkeit, sich entspannen zu können, führt. Was unter akuten Stressbedingungen lebensrettend sein kann, führt bei chronischer Stressbelastung zwangsweise zur Entwicklung von Erschöpfungssyndromen und schweren chronischen Erkrankungen.

Die chronische Hyperventilation

Die chronische Hyperventilation

Wesentlich ist die Erkenntnis, dass ein zentraler Faktor für den zunehmenden Energiemangel auf mentaler und körperlicher Ebene Folge einer in nahezu 100% der Fälle vorliegende chronischen Hyperventilation (Zu schnelle oder zu tiefe Atmung)  ist.

Sie wird durch den unter chronischem Stress stets erhöhten Sympathikotonus ausgelöst, der Ursache des erhöhten Ruhe-Muskeltonus ist. Dieser wird nämlich vom Tonus des Sympathischen Nervensystems bestimmt. Der erhöhte Muskeltonus führt zu einer Verkrampfung des Zwerchfells, die zu einer erhöhten Atemfrequenz zwingt.

Bei erhöhter Atemfrequenz kommt es zu einer vermehrten Abatmung von CO2 und damit zu einem CO2 Mangel im Blut.

Die Folgen sind fatal:

  • Sauerstoffminderversorgung aller Zellen trotz reichlich vorhandenem Sauerstoff im Blut.
  • Daraus resultierende drastische Minderung der Energieproduktion, die von einer ausreichenden Aufnahme des Sauerstoffs in die Zellen abhängig ist.
  • Generalisierte Gefäßverengung durch Mangel an CO2 und damit Minderdurchblutung aller Organe. Dies wird vor allem im Bereich des Gehirns und der Muskulatur bemerkt.
  • Entsäuerung des Blutes, relativer Kalzium Mangel und dadurch Muskeltonus-Erhöhung.
  • Der Muskel stellt bei Energiemangel immer mehr auf anaerobe Energiegewinnung um, weswegen der Laktatspiegel ständig steiget. Da Laktat die Energiegewinnung blockiert, ist mitunter die körperliche Leistungsfähigkeit extrem reduziert.

Eine Befreiung aus diesem Dilemma kann nur durch konsequentes Atemtraining erreicht werden, denn dadurch steigt der CO2 Spiegel im Blut wieder an, die Durchblutung wird verbessert und die Sauerstoffaufnahme nach und nach normalisiert. Insofern ist das Atem-Training eine wesentliche Säule für die Wiedergewinnung der mentalen und körperlichen Leistungsfähigkeit.

Burnout Symptome

Burnout Symptome

Es gibt eine Reihe charakteristischer Symptome und Entwicklungen, die typischerweise Folge chronischer Stressbelastungen sind.

Dazu gehören:

  • Schlafstörungen
  • Gedächtnis und Konzentrationsstörungen
  • Körperliche und mentale Leistungsminderung bis hin zu schwerer Erschöpfung
  • Belastungsabhängige Verschlechterung des Befindens
  • Ständige Müdigkeit
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Störungen der Libido, Erektionsstörungen, Menstruationsstörungen
  • Hypotone Kreislaufdysregulation
  • Heißhungerzustände, Hypoglykämien,
  • Kopfschmerzen, Migränesyndrom
  • Tinnitus
  • Muskelschmerzen bis hin zur Fibromyalgie
  • Irritationen des Magen-Darmtraktes (Reizdarm, Refluxösophagitis, Dysbiose, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Histamin Intoleranzen etc.)
  • Erhöhte Entzündungstendenz an Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken.
  • Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms
  • Depressive Verstimmungen bis hin zur manifesten Depression
  • Angst und Panikattacken
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
  • HWS-, BWS- und LWS- Syndrome
  • Gewichtszunahme
Burnout Syndrom ausgebrannt

Diagnostik des Burnout Syndroms

Diagnostik des Burnout Syndroms

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Ich habe in den letzten 10 Jahren Hunderte von Patienten mit Burnout-Syndromen untersucht und behandelt. Jede dieser Krankengeschichten ist individueller Natur und dennoch finden sich immer wieder charakteristische Hinweise, die schon eine ausführliche Stress-Anamnese, die von herausragender Bedeutung ist, an den Tag bringt.

Dies kann mit einer Stress-belasteten Schwangerschaft der eigenen Mutter beginnen, denn diese führt zu Veränderungen im Gehirn des ungeborenen Kindes, die eine verringerte Stresstoleranz und eine erhöhte Stresssensitivität des ungeborenen Kindes mit sich bringen und lebenslang bestehen bleibt. Das gleiche kann durch frühkindliche Traumatisierungen (Krankenhausaufenthalt ohne Begleitung der Mutter, nächtliches Durch schreien lassen, frühkindlicher Missbrauch etc.) ausgelöst werden. Die strukturellen Veränderungen des Gehirns führen zu epigenetisch bedingten Veränderungen, die es den Betroffenen später nahezu unmöglich machen, sich richtig zu entspannen.

Unabhängig von einer spezifischen Stress-Anamnese, die in ihrer Wertigkeit 80 % der gesamten Diagnostik ausmacht, sind vielfältige weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich, die eine chronische Stressbelastung der Betroffenen eindeutig sichern können. Dazu gehören:

  • Der AVEM-Test der Universität Jena, ein psychologischer Fragebogen-test, mit dem sich charakteristische Verhaltens- und Erlebensmuster herausfiltern lassen, die ein erhöhtes Erkrankungs- und Burnout-Risiko mit sich bringen.
  • Die Untersuchung des Stoffwechsels mittels indirekter Kaloriemetrie, mit der sich in der Regel ein erhöhter Ruheumsatz, eine erhöhte Atemfrequenz und vor allem eine teilweise stark reduzierte Sauerstoffaufnahme der Zellen nachweisen lassen.  Sie hat entscheidenden Anteil an der mentalen und körperlichen Leistungsminderung.
  • Die Untersuchung der Herzratenvariabilität mittels HRV-Test, die die in der Regel schwer eingeschränkte Funktion des autonomen Nervensystems, eine typische Folge chronischer Stressbelastungen, nachweisen kann. Hierzu wird der so genannte Kurztest und der besonders aussagekräftige 24 Stunden oder 72 Stunden HRV- Test durchgeführt, der noch dazu wichtige Aussagen zur Schlafqualität der Betroffenen machen kann.
  • Die Body Impedanz Analyse (BIA), gibt Auskunft über die Verteilung der Körper Kompartimente (Fett,- Muskelanteil, Wasserhaushalt) und kann schon frühzeitig Aussagen über eine gestörte Zellfunktion machen.
  • Das quantitative EEG (QEEG), eine besondere Form des Elektroenzephalogramms, mit dem die aktuellen Hirnfrequenz-Muster in Form einer Brain-Map dargestellt werden können. Auch dann, wenn subjektiv kein Gefühl von chronischer Stressbelastung besteht, können hier eindeutig stressbedingte Hyperaktivitäten, Störungen der so genannten Kohärenz der Hirnabschnitte u.a. Funktionsstörungen gesichert werden.
  • Der CHV-Test, sichert das Vorliegen einer chronischen Hyperventilation, wie sie sich bei einem Großteil der Betroffenen nachweisen lässt. Allein dieser Atemtyp, der auf einer unbewussten Verkrampfung des Zwerchfells beruht, kann zu gravierenden Stoffwechsel-Veränderungen, einer schlechteren Sauerstoffversorgung der Organe, einer generalisierten Gefäßverengung  und damit zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führen.
  • Die Spiroergometrie inkl. Laktatstufentest, mit diesem Untersuchungsverfahren kann die körperliche Leistungsfähigkeit eines Betroffenen und seine gegebenenfalls ventilatorische oder metabolische anaerobe Schwelle sicher festgestellt werden wobei auch Hinweise auf Mittelhirnareale Funktionsstörungen gefunden werden. So kann ein individuell adaptiertes körperliches Training festgelegt werden, das für die Gesunderhaltung gefährdeter Personen von entscheidender Bedeutung sein kann. So können Trainingsformen verhindert werden, die gegebenenfalls gesundheitsschädlich wirken können.

Die üblicherweise durchgeführte Standard-Labordiagnostik trägt ganz wesentlich mit dazu bei, dass diese Erkrankung nicht richtig verstanden wird, weil diese Laborstandards in 98% der Fälle völlig unauffällig sind. Erst wenn die Diagnostik auf molekularbiologische, hormonelle, immunologische und neurobiologische Veränderungen ausgedehnt wird, findet sich eine Vielzahl charakteristischer, stress-spezifischer Laborparameter.

 Bei 60-70% der Patienten mit Burnout-Syndrom finden sich charakteristische genetische Variationen, die die Entwicklung dieser Erkrankung entscheidend fördern können. Ihre Kenntnis macht verständlich, warum einzelne Personen unter gleichen Belastungsfaktoren krank werden, andere aber nicht.

Die Bestimmung dieser genetischen Variationen ist sowohl präventiv als auch therapeutisch von herausragender Bedeutung, denn es besteht die Möglichkeit, sie durch therapeutische Intervention zu kompensieren und damit ihrem krankheitsfördernden Charakter entgegenzuwirken. Das genetische Programm berücksichtigt dabei Gene, die 3 verschiedenen Gruppen zugeordnet werden können.

  • EKG und Lungenfunktion
  • Spiroergometrie mit Laktat Stufenbelastungstest (spezifische Belastungs-EKG mit gleichzeitiger Laktatmesessung)
  • HRV Kurztest mit RSA Test und Liegen/Stehen Test (Untersuchung des Autonomen Nervensystems)
  • 24 Stunden HRV-Test (Langzeituntersuchung des Autnomen Nervensystems)
  • Indirekte Kaloriemetrie mit Messung der Sauerstoff – und Kohlendioxid – Konzentration in der Atemluft, Bestimmung des Ruheumstzes und Einstufung der weit verbreiteten Verminderung der zellulären Sauerstoffaufnahme
  • Body Impedanzanalyse (BIA) zur Bestimmt der Körperkompartimente
  • Oberflächen-EMG (Elektromyogramm) zur Sicherung des in der Regel massiv erhöhten Ruhe-Muskeltonus
  • Quantitatives EEG mit Darstellung zum Nachweis von stressbedingten Hyperaktivitäten oder der meist vorzufindenden massiven Verminderung der Hirnaktivität

Burnout Therapie

Burnout Therapie

Eine wirksame Behandlung des Burnout-Syndroms setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:

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Von zentraler Bedeutung ist der Einsatz von Techniken und Methoden, die man mit dem Begriff Achtsamkeitsarbeit zusammenfassen kann. Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten konnte belegen, wie stark z.B. die Anwendung der Achtsamkeitsmeditation evtl. kombiniert mit sanften Yogaformen, wie man sie im MBSR- ( Mindfulness Based Stress Reduction) Training nach Prof. Kabat Zinn anwendet, zu einer Verbesserung bestimmter Gehirnfunktionen, einer Reduktion der Überaktivität des Sympathischen Nervensystems, einer Regeneration der Parasympathischen Bremsfunktion und einer deutlichen Verbesserung der Immunfunktion führen kann.

Die Untersuchungen der Psychologin Dr.Britta Hölzel an Probanden, die ein 8-wöchiges MBSR Training mitgemacht haben, konnten dies im Funktions-MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns eindrucksvoll untermauern. Dabei konnte ein Rückgang der Vergrößerung des Mandelkerns, eine Rückbildung der stressbedingten Verkleinerung des Hippocampus, der für Entspannung und Kurzzeitgedächtnis zuständig ist, und sogar eine Zunahme der grauen Substanz des Gehirns nachgewiesen werden. Wir haben also hier das erstaunliche Phänomen, dass mit bestimmten meditativen Techniken, die Struktur des Gehirns zum Positiven hinverändert werden kann.

Auch atemtherapeutische Maßnahmen und die Verwendung von Trance-CDs, die das Phänomen der Neuroplastizität des Gehirns nutzen, können sehr hilfreich sein. Unter Neuroplastizität versteht man die Fähigkeit des Gehirns, auf wiederholte, immer wiederkehrende und gleichartige Informationen und Stimuli mit strukturellen Veränderungen zu reagieren.  Solche Informationen werden im Zustand der Trance besonders intensiv aufgenommen. Bei täglicher Anwendung von Trance-CDs kann so die Hyperaktivität des Zentralnervensystems nach und nach deutlich reduziert werden, was durch Funktions-MRT Untersuchungen auch belegt ist.

Mittels Atemübungen in Form tiefer und langsamer Bauchatmung kann vor allem auch das in der Regel völlig erschöpfte Parasympathische Nervensystem nach und nach wieder aktiviert werden. Man muss sich bewusst sein, dass eine Heilung nur dann möglich ist, wenn die in der Regel vorzufindende chronische Sympathikotonie durch ein wieder verstärktes Parasympathisches Bremssystem reduziert bzw. beseitigt wird.

Konsequente Atemtherapie (2 x täglich 15-30 Min!!) zur Verlangsamung der Atmung, Anhebung des CO2 Spiegels im Blut, Verbesserung der Durchblutung und der Sauerstoffversorgung der Zellen mit der Konsequenz einer wesentlich verbesserten Leistungsfähigkeit des gesamten Organismus. Und, nicht zu vergessen, zur Aktivierung des Parasympathischen Nervensystems (PNS): Dehnungsrezeptoren in den unteren Lungenabschnitten aktivieren die Kerne des PNS im Gehirn. Darum auch unbedingt Bauchatmung!!

Dieses Training wird durch 2 kleine Geräte wesentlich unterstützt:

  • Ein Mundstück, mit dem sich die Atmung sehr deutlich verlangsamen lässt, was zu einem Anstieg der Kohlendioxidkonzentration im Blut und damit zu einer Verbesserung der Sauerstoffversorgung der Muskelzellen und einer Normalisierung ihrer energetischen Leistung führt.
  • Ein kleiner, auf Vibration eingestellter Zeittaktgeber, der Sie in einstellbaren Abständen immer wieder daran erinnert, ganz bewusst eine langsame Bauchatmung zu praktizieren, die den CO2 Spiegel im Normbereich hält!

Es ist darauf hinzuweisen , dass dieses Training zunächst nur unter Ärztlicher Anleitung und Überwachung erfolgen sollte, denn eine  falsche Technik kann den therapeutischen Erfolg gefährden!

Ist man sich der eigenen, krankheitsfördernden Gedanken-und Verhaltensmuster bewusst, kann man diese bei konsequentem und disziplinierteren Training durch neue, gesundheitsfördernde Gedanken-und Verhaltensmuster ersetzen. Die ständige Wiederholung dieser Übungen führte zur Neuanlage von neuronalen Vernetzungen, Bildung neuer Synapsen (Andockstellen) und zur deutlichen Beschleunigung der Impulsübertragung in diesen neugebildeten Netzwerken. Gleichzeitig werden alte Gedanken-und Verhaltensmuster, wenn sie nicht mehr täglich gespeist werden, vom Gehirn wieder abgebaut. Diese strukturellen Veränderungen sind Konsequenz der Neuroplastischen Funktion des Zentralen Nervensystems. Die hiermit zu erzielenden Erfolge sind immens und können einen Menschen tatsächlich ganz enorm zum Positiven hinverändern.

Es ist von außerordentlicher Bedeutung, dass Patienten mit Burnout-Syndrom die Einschränkung ihres energetischen Niveaus sowohl auf körperlicher als auch mentaler Ebene akzeptieren. Dies bringt mit sich, dass sowohl körperliche als auch mentale Belastungen nicht so intensiv sein dürfen, dass Sie einen wie auch immer gearteten Erschöpfungszustand oder eine Verschlechterung des Befindens mit sich bringen. Als Grundregel kann gelten, dass man sich nach einer körperlichen oder mentalen Aktivität genauso fühlen muss wie davor. Wer über diese Grundregel hinausgeht, trägt zu einer möglichen Progredienz der Erkrankung bei und kann mitunter massive Verschlechterungen des energetischen Niveaus, die über Tage anhalten können, auslösen. 

Aufgrund der häufig vorzufindenden mitochondrialen Funktionsstörung ist eine kohlenhydratarme, an gesunden Fetten und Eiweißen reiche Kost (LOGI-Diät) anfänglich in aller Regel sehr sinnvoll.

Mitochondrien sind kleine Organellen, die in jeder Zelle die notwendige Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) aus der Verstoffwechslung unserer Nahrung produzieren. Sie können unter chronischen Stressbedingungen eine sogenannte Kohlenhydratintoleranz entwickeln.

Es gibt allerdings auch Patienten, die wegen ihres großen Heißhungers und nächtlicher Hungerattacken einen sehr hohen Glucosebedarf haben. In diesen Fällen müssen häufigere kleine Mahlzeiten zugeführt werden, die durchaus auch Kohlenhydrate enthalten können. 

Neurofeedback ist eine computergestützte Trainings- und Behandlungsmethode, mit der man die Charakteristik der eigenen Gehirnaktivität, die man üblicherweise ja nicht wahrnimmt, darstellt und durch bestimmte Übungen verändert. So kann z.B. die stressbedingt überhöhte Aktivität des Gehirns durch entsprechende Übungen im Verlaufe mehrerer Trainingssitzungen so stark reduziert werden, dass stressbedingte Symptome wie Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen nicht nur deutlich gebessert, sondern auch völlig beseitigt werden können. Dieser therapeutische Erfolg hat in der Regel bleibenden Charakter, da er auf der Fähigkeit des Gehirns, auf Wiederholungen mit strukturellen Veränderungen zu reagieren, beruht.

Dies ist besonders dann hilfreich, wenn die eigentlichen Stressoren, die das Gehirn in diesen Zustand manövriert haben, unbekannter Natur sind. Eine solche Konstellation liegt bei etwa 70% jener Betroffenen vor, die unter chronischem Stress stehen.

Eine Harmonisierung pathologischer Gehirnaktivitäten kann so auch ohne eine Analyse der eigentlichen Hintergründe solcher Entwicklungen erreicht werden. Neben der eher medizinischen Anwendung wird Neurofeedback auch für Tiefenentspannung und Meditation und zur Leistungssteigerung ( peak performance training) eingesetzt.

Mit diesem Verfahren, bei der in wechselnder Rhythmik sauerstoffarme und dann sauerstoffreiche Luft inhaliert wird, ist man bemüht, funktionsunfähige Mitochondrien durch erhöhten oxidativen und nitrosativen Stress zu zerstören und damit aus der Zelle zu entfernen. In der Folge kommt es zu einer Vermehrung gesunder Mitochondrien und damit zu einer Erhöhung der Energieproduktion in der Muskulatur.

Es kann also so einer deutlichen Verbesserung der energetischen Leistung der Muskulatur und damit zu einem deutlichen Rückgang der klinischen Symptome kommen. Kritisch ist anzumerken, dass wir bisher keine Möglichkeit haben, durch vorhandene laborchemische Tests die Fähigkeit zur Mitophagie (Autopgagie), also den intrazellulären Abbau funktionsunfähiger Mitochondrien, zu testen. Die aktuelle Mitochondrien Forschung hat nämlich herausgefunden, dass es hier genetische Variationen gibt, die eine Störung dieser Abbaufunktion mit sich bringen.In solchen Fällen kann es durch Anwendung der IHHT zu einer Befund-Verschlechterung kommen, auch wenn dies extrem selten ist.

Nicht in jedem Fall ist eine therapeutische Intervention erforderlich. Besonders bei intensiver Ausprägung krankmachender Persönlichkeitsstrukturen, wie sie durch den AVEM-Test belegt werden können und bei einer traumatischen Genese der pathologischen Stressbelastung i.S. eines posttraumatischen Belastungs-Syndroms sollte eine zusätzliche therapeutische Unterstützung angestrebt werden. Sehr hilfreich sind hierbei hypnotherapeutische Ansätze, da sie den Patienten in engeren Kontakt mit seiner Intuition und damit seinem Unbewussten bringen. Erfahrungsgemäß sind sie rein analytischen Therapiemethoden vorzuziehen. Das gleiche gilt für zusätzliche, körperorientierte Therapieansätze, die mitunter einer alleinigen Gesprächs-therapeutischen Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen überlegen sein können.

Ist eine Prävention des Burnout Syndroms möglich?

Ist eine Prävention des Burnout Syndroms möglich?

Angesichts der in der Einleitung genannten Zahlen muss die Prävention des Burnout Syndroms u.a. chronischer Stresserkrankungen ganz in den Vordergrund gestellt werden. Besonders jene Personengruppen, die große Verantwortung zu tragen haben und deshalb besonders gefährdet sind, eine chronische Stresserkrankung zu entwickeln, sollten durch frühzeitige und gründliche Untersuchung Ihres individuellen Erkrankungsrisikos der Entwicklung chronischer Erkrankungen und damit auch des Burnout-Syndroms vorbeugen. Denn zweifelsohne kann in den Frühstadien der Erkrankung, die sich durch die o.g. Frühsymptome ankündigen kann, durch entsprechende Aufklärung und therapeutische Intervention die Entwicklung eines Burnout-Syndroms oder anderer Stresserkrankungen verhindert werden.