Fibromyalgie - psychosomatisch oder eine klassische mitochondriale Multisystemerkrankung?

Die Fibromyalgie (FM) wird hierzulande, mangels Kenntnis der Pathophysiologie und in aller Regel völlig unzureichender Diagnostik, als psychosomatische Erkrankung fehlgedeutet oder erst garnicht ernst genommen. In der Konsequenz wird eine in der Regel wenig wirksame, rein symptomatische Schmerztherapie, häufig auch kombiniert mit Antidepressiva, durchgeführt.

Unter Berücksichtigung einer Vielzahl wissenschaftlicher Grundlagenarbeiten muss die FM als Teil einer Multisystemerkrankung angesehen werden, die durch Oxidativen und Nitrosativen Stress mit daraus resultierender Fehlfunktion der Mitochondrien verursacht wird.

Ausgelöst durch körperliche Traumata, besonders im Bereich der HWS (Schleudertrauma) und nach Kopfverletzungen, durch virale oder bakterielle Infektionen (Epstein-Barr, Borreliose?), sowie schwerste psychische Traumatisierungen, entsteht ein in der Pathobiochemie inzwischen gut verstandener biochemischer Teufelskreis, der die Energieversorgung der Muskelzellen, Sehnen und Bänder in sehr komplexer Weise stört und zu einer Vielzahl von biochemischen Reaktionen auf den unterschiedlichsten System- und Organebenen führt, die als sekundär zu versveraurbeitehen sind und die in der Regel bunte, sehr individuell gestaltete Symptomatik verständlich machen. Es gilt als gesichert, dass dabei gravierende Störungen der Schmerzentwicklung und Verarbeitung im Zentralnervensystem entstehen, die auf Überaktivierungen spezifischer neuronaler Rezeptoren im Rückenmark und Zentralnervensystem zurückzuführen sind. Die Überaktivierung von sogenannten Vanilloid- und NMDA Rezeptoren in den schmerzleitenden Rückenmarksbahnen im Hinterhorn wie auch im Thalamus wurden ebenso gesichert, wie erhöhte Stickoxidspiegel, Antikörper gegen Phospholipide und Ganglioside, hochgradig erhöhter Oxidativer Stress, sowie entzündliche Veränderungen sowohl im Zentralnervensystem, als auch in der Muskulatur.

Eine erfolgreiche Therapie dieser Multisystemerkrankung, in der die FM häufig kombiniert ist mit chronischer Müdigkeit, hormonellen Dysfunktionen, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen und vielen anderen Symptomen, zielt daher in erster Linie darauf ab, die pathologische Rezeptorstimulation im Zentralnervensystem durch gezielte Therapie des Nitrosativen und Oxidativen Stresses, herunterzufahren und zu stoppen. Die Verbesserung der mitochondrialen Dysfunktion erfordert desweiteren ein breites therapeutisches Programm, in dem auch eine konsequente Ernährungsumstellung auf eine kohlenhydratarme, dafür aber fett- und eiweißreiche Kost, körperliche Schonung – Fitness - und Joggingprogramme sind kontraindiziert! – und eine Reduktion vorhandener, chronischer psychischer Stressoren, ganz im Vordergrund stehen müssen. Die Behandlung erfordert die Kenntnis der angedeuteten pathophysiologischen Veränderungen, viel Geduld, eine verständnisvolle Umgebung, eine strenge, immer wieder neu zu erarbeitende Disziplin und einen ebenso respektvollen Umgang der Betroffenen mit sich selbst.

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